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Schlussformel im Arbeitszeugnis
Die Schlussformel ist kein bloßer Höflichkeitssatz. Sie kann den Gesamteindruck eines Zeugnisses bestätigen, abschwächen oder auffällig wirken lassen. Besonders relevant sind Dank, Bedauern, Austrittsgrund und Zukunftswünsche.
Das Wichtigste in Kürze
- Starkes Bedauern plus Dank für sehr gute Leistungen passt zu einem sehr guten Zeugnis.
- Eine knappe oder fehlende Schlussformel kann im Bewerbungsprozess auffallen.
- Hinweise auf Gesundheit oder sehr ungewöhnliche Austrittsformulierungen sollten genau geprüft werden.
Dank und Bedauern spiegeln die Gesamtbewertung
Sehr gute Schlussformeln enthalten häufig ausdrückliches Bedauern über den Weggang und Dank für sehr gute Leistungen.
Fehlen diese Elemente, muss das nicht automatisch negativ sein. Es kann aber weniger stark wirken als der Rest des Zeugnisses.
"Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und danken ihm für stets sehr gute Leistungen"
Schlussformel, die zu einem Note-1-Zeugnis passt. Kombination aus starkem Bedauern + sehr gutem Leistungsdank.
Quellen: arbeitszeugnis.de Notenskala, ifb Betriebsrat
"Wir bedauern ihr Ausscheiden und danken ihr für die stets guten Leistungen"
Schlussformel Note 2.
Quellen: arbeitszeugnis.de
"Wir bedauern sein Ausscheiden und danken ihm für die guten Leistungen"
Schlussformel Note 3. Kein 'stets', kein 'sehr'.
Quellen: arbeitszeugnis.de
"Wir bedanken uns für die Mitarbeit"
Schlussformel Note 4+. Kein Bedauern über den Weggang = signifikant negatives Signal.
Quellen: arbeitszeugnis.de, Computerwoche
Zukunftswünsche sind ein eigenes Signal
Wünsche für weiterhin viel Erfolg werden stärker gelesen als sehr knappe allgemeine Zukunftswünsche.
Fehlen Zukunftswünsche vollständig, kann das auffallen, besonders wenn der Rest des Zeugnisses sehr positiv klingt.
"Wir wünschen ihm auf dem weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg"
Zukunftswunsch Note 1. 'Weiterhin viel Erfolg' = die Person war bereits sehr erfolgreich.
Quellen: arbeitszeugnis.de, zeugnisprofi.com Geheimcode
"Wir wünschen ihm für die Zukunft viel Erfolg"
KRITISCH: 'Viel Erfolg' ohne 'weiterhin' impliziert, dass die Person bisher keinen Erfolg hatte. Dies ist eine abwertende Formulierung, obwohl sie im Alltagsgebrauch positiv klingt.
Quellen: zeugnisprofi.com, rueden.de Arbeitsrecht, verlingo.de
"Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute"
Standard-Wunschformel ohne 'Erfolg'. Neutraler Abschied, weder stark positiv noch negativ. Note 3.
Quellen: arbeitszeugnis.de, zeugnisprofi.com
Austrittsgrund und Sonderwünsche prüfen
Formulierungen zum Austritt können neutral, positiv oder erklärungsbedürftig wirken. Besonders genau gelesen werden gegenseitiges Einvernehmen, fehlende Gründe und Hinweise auf Gesundheit.
"Frau Muster verlässt uns in gegenseitigem Einvernehmen"
Diese Formulierung bedeutet häufig, dass es zur arbeitgeberseitigen Kündigung gekommen ist, die dann einvernehmlich umgestaltet wurde.
In der Regel Indikator für arbeitgeberseitig initiierte Kündigung / Aufhebungsvertrag.
Quellen: suedostschweizjobs.ch Südostschweiz Jobs
"Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, insbesondere Gesundheit"
Unzulässiger Geheimcode. Der Bezug auf 'Gesundheit' in einem Arbeitszeugnis ist in der Regel eine Abwertung und gehört dort rechtlich nicht hin.
Hinweis auf häufige Krankheitsausfälle oder gesundheitliche Probleme des Arbeitnehmers.
Quellen: arbeitsrechte.de Geheimcode, zeugnisprofi.com
"[Fehlen der Schlussformel]"
Strukturregel: Fehlt die Dankes-, Bedauerns- oder Wunschformel in einem qualifizierten Zeugnis, so gilt dies als signifikant negatives Signal — das Zeugnis wirkt 'grußlos', was auf gestörtes Verhältnis bei Austritt hindeutet.
Quellen: BAG 11.12.2012, 9 AZR 227/11 (kein Anspruch auf Schlussformel, aber bei Vorhandensein muss sie zum Zeugnisinhalt passen), ifb Betriebsrat, Computerwoche
Einordnung und Grenzen
Die Hinweise auf dieser Seite sind eine Orientierung zur Zeugnissprache und keine Rechtsberatung. Entscheidend bleibt immer das vollständige Zeugnis, der berufliche Kontext und die konkrete Formulierung.
Häufige Fragen
Muss ein Arbeitszeugnis eine Schlussformel enthalten? +
Das hängt vom Kontext und vom anwendbaren Recht ab. Praktisch wird eine passende Schlussformel aber oft erwartet, weil sie den Gesamteindruck bestätigt.
Ist fehlendes Bedauern immer schlecht? +
Nicht immer. Es kann neutral gemeint sein. In einem sonst sehr guten Zeugnis kann fehlendes Bedauern aber schwächer wirken als eine klare, positive Schlussformel.