Glossar der Zeugnis-Formulierungen
Alle 102 Formulierungen, Codes und Regeln aus unserer Datenbank - mit Noten, Bedeutungen und Quellenangaben.
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Zum Arbeitszeugnis DecoderLeistungsbeurteilung
8 Einträge
Klassische Formulierung der Zufriedenheitsskala für die Note 'sehr gut'. Das Adverb 'stets/jederzeit/immer' + Superlativ 'vollste' ergibt die höchste Stufe.
'Gut' — entweder Superlativ ohne 'stets' ODER einfaches 'voll' mit 'stets'. Die Kombination aus einer Komponente (Superlativ oder Frequenzadverb) genügt für Note 2.
Note 3 (befriedigend / genügend). In Deutschland die durchschnittliche, als 'üblich' geltende Note — Beweislast für bessere Bewertung liegt beim Arbeitnehmer.
Note 4 (ausreichend). Kein 'stets', kein 'voll' — schwaches Lob, gerade noch positiv formuliert.
Note 5 (mangelhaft / ungenügend). Die Einschränkungen 'insgesamt' und 'im Großen und Ganzen' relativieren das Lob und bedeuten: Es gab wiederkehrende Mängel.
Note 6 (ungenügend). 'Bemühen' = Anstrengung ohne Erfolg. Klassischer verschlüsselter Hinweis auf mangelhafte Leistung.
CH-typische Normqualifikationsformulierung. Laut Arbeitsgericht Zürich und Swissmem klassische Gesamtbeurteilung 'gut' (CH-Norm).
CH-Kontext: 'Bemühen' ohne Ergebnisnachweis gilt als unzulässige Codierung. Beispielhaft in Swiss Mobiliar-Ratgeber als klassischer negativer Code genannt.
Versteckte Bedeutung: Negative Beurteilung — hat die Erwartungen nicht erfüllt.
Verhalten
10 Einträge
Sozialverhalten sehr gut. Die Reihenfolge Vorgesetzte → Mitarbeiter → Kollegen → Kunden ist die konventionelle Ordnung; Abweichungen sind bedeutsam (siehe ZC-RULE-002).
Sozialverhalten gut. Ohne 'sehr' = eine Stufe herabgestuft.
Sozialverhalten befriedigend. 'Einwandfrei' klingt positiv, ist aber in der Zeugnissprache nur Note 3.
Sozialverhalten ausreichend. Negativ-Formulierung ('keine Beanstandung' statt 'vorbildlich') signalisiert: Es war nicht lobenswert, nur nicht zu beanstanden.
Sozialverhalten mangelhaft.
Klassisches Beispiel aus ver.di-Leitfaden. 'Umgänglich' als einzige Verhaltens-Eigenschaft signalisiert Durchschnitt.
Versteckte Bedeutung: Nur 'umgänglich' = keine herausragenden sozialen Fähigkeiten, rein neutrale Koexistenz.
Sozialverhalten befriedigend. 'Einwandfrei' klingt in der Alltagssprache wie ein Top-Urteil, ist in der Zeugnissprache aber nur Note 3 — vergleichbar mit ZC-V-003. Die übliche Bezugsgruppen-Reihenfolge (Vorgesetzte → Kollegen) ist eingehalten; das Fehlen von 'sehr gut' oder 'vorbildlich' begrenzt die Note.
Sozialverhalten gut. 'Stets vorbildlich' ohne zusätzliches 'sehr' ergibt Note 2 (vgl. ZC-V-002). Alle drei wesentlichen Bezugsgruppen (Vorgesetzte, Kollegen, Kunden) sind in konventioneller Reihenfolge genannt — kein Auslassungssignal.
Sozialverhalten mit Warnsignal. Wortwahl ('einwandfrei') entspricht für sich genommen Note 3, doch die unkonventionelle Reihenfolge (Kollegen werden vor den Vorgesetzten genannt) gilt als Hinweis auf Probleme mit der Führungsebene und zieht die Bewertung herab.
Versteckte Bedeutung: Die umgekehrte Reihenfolge — Kollegen vor Vorgesetzten — deutet auf ein gestörtes Verhältnis zu den Vorgesetzten hin.
Sozialverhalten mit Auslassungssignal. Wird nur das Verhalten gegenüber Kollegen bescheinigt und die sonst übliche Nennung der Vorgesetzten weggelassen, ist dies ein typisches 'beredtes Schweigen' — der häufigste Auslassungs-Code im Verhaltensteil.
Versteckte Bedeutung: Die Vorgesetzten fehlen vollständig in der Verhaltensbeurteilung — ein starkes Warnsignal für ein gestörtes Verhältnis zur Führungsebene.
Schlussformel (Dank)
11 Einträge
Schlussformel, die zu einem Note-1-Zeugnis passt. Kombination aus starkem Bedauern + sehr gutem Leistungsdank.
Schlussformel Note 2.
Schlussformel Note 3. Kein 'stets', kein 'sehr'.
Schlussformel Note 4+. Kein Bedauern über den Weggang = signifikant negatives Signal.
"Herr Muster verlässt uns auf eigenen Wunsch"
Neutrale Formulierung, die klarstellt, dass der Arbeitnehmer gekündigt hat. Positiv zu bewerten im Vergleich zu 'verlässt uns in gegenseitigem Einvernehmen'.
Aktive Weiterempfehlungsformel — sehr starkes positives Signal. Nur in Top-Zeugnissen zu finden.
Wiedereinstellungsklausel — eines der stärksten positiven Signale. Der Arbeitgeber signalisiert aktive Bereitschaft zur Weiterbeschäftigung.
"Frau Muster verlässt uns in gegenseitigem Einvernehmen"
Diese Formulierung bedeutet häufig, dass es zur arbeitgeberseitigen Kündigung gekommen ist, die dann einvernehmlich umgestaltet wurde.
Versteckte Bedeutung: In der Regel Indikator für arbeitgeberseitig initiierte Kündigung / Aufhebungsvertrag.
Vollständige warme Schlussformel der Spitzenklasse: Dank für die 'stets sehr gute Zusammenarbeit' kombiniert mit umfassendem Zukunftswunsch ('weiterhin viel Erfolg', 'auch persönlich/privat'). Die Kombination aus starkem Zusammenarbeits-Dank und 'weiterhin'-Erfolgswunsch ist ein klares Note-1-Signal.
Schlussformel Note 2 — Zusammenarbeits-Variante. Bedauern über den Weggang + Dank für die 'stets gute' (nicht 'stets sehr gute') Zusammenarbeit ergibt eine gute, aber nicht höchste Bewertung (vgl. ZC-SF-002, dort Dank für Leistungen statt Zusammenarbeit).
Kühle Schlussformel Note 4. Reiner Dank für die Zusammenarbeit ohne Bedauern und ohne 'stets' ist ein schwaches Signal — vergleichbar mit ZC-SF-004 ('Wir bedanken uns für die Mitarbeit'), aber auf die Zusammenarbeit bezogen.
Versteckte Bedeutung: Das Fehlen von 'bedauern' und von 'stets' kühlt die Formel deutlich ab — kein Bedauern über den Weggang signalisiert eine unterdurchschnittliche Gesamtbewertung.
Schlussformel (Zukunftswünsche)
6 Einträge
Zukunftswunsch Note 1. 'Weiterhin viel Erfolg' = die Person war bereits sehr erfolgreich.
Zukunftswunsch Note 2. 'Weiterhin Erfolg' ohne 'viel'.
KRITISCH: 'Viel Erfolg' ohne 'weiterhin' impliziert, dass die Person bisher keinen Erfolg hatte. Dies ist eine abwertende Formulierung, obwohl sie im Alltagsgebrauch positiv klingt.
"Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, insbesondere Gesundheit"
Unzulässiger Geheimcode. Der Bezug auf 'Gesundheit' in einem Arbeitszeugnis ist in der Regel eine Abwertung und gehört dort rechtlich nicht hin.
Versteckte Bedeutung: Hinweis auf häufige Krankheitsausfälle oder gesundheitliche Probleme des Arbeitnehmers.
Standard-Wunschformel ohne 'Erfolg'. Neutraler Abschied, weder stark positiv noch negativ. Note 3.
Kühle, sehr knappe Zukunftswunschformel. Im Vergleich zu ZC-SF-013 ('Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute', Note 3) fehlt hier sogar der Zukunftsbezug — das verbleibende reine 'alles Gute' gilt als distanziert und ordnet sich am unteren Rand ein.
Versteckte Bedeutung: Die besonders knappe Wunschformel ohne 'für die Zukunft' und ohne jeden Erfolgswunsch wirkt kühl und distanziert.
Motivation
6 Einträge
Arbeitsmotivation sehr gut. Doppelte Steigerung ('stets' + 'sehr hoch') signalisiert Note 1.
Arbeitsmotivation gut. 'Stets' ohne zusätzlichen Superlativ = Note 2.
Arbeitsmotivation befriedigend. Ohne Frequenzadverb = durchschnittliche Einsatzbereitschaft.
Arbeitsmotivation ausreichend. Sehr schwaches Lob — signalisiert durchschnittliches bis unterdurchschnittliches Engagement.
Arbeitsmotivation ausreichend. Ohne Steigerungen und ohne 'stets' schwaches Lob.
Arbeitsmotivation mangelhaft. Die Verneinung ('nicht immer') und das Eingeständnis enttäuschter Erwartungen signalisieren ein deutlich unterdurchschnittliches Engagement — das untere Ende der Motivationsskala.
Versteckte Bedeutung: Offene Abwertung der Leistungsbereitschaft — das Engagement war wiederholt unzureichend.
Befähigung
8 Einträge
Arbeitsbefähigung sehr gut. 'Äußerst' + 'stets' + 'sehr gut' = klare Note 1.
Arbeitsbefähigung gut. 'Stets gut' statt 'stets sehr gut' = Note 2.
Arbeitsbefähigung befriedigend. 'Gut' ohne 'stets' = Note 3.
Arbeitsbefähigung ausreichend. Einfaches 'belastbar' ohne weitere Steigerung.
Arbeitsbefähigung mangelhaft. Die Einschränkung 'nicht in allen Bereichen' relativiert die Eignung deutlich und ordnet die Befähigung am unteren Ende der Skala ein (vgl. ZC-BEF-001 bis ZC-BEF-004).
Versteckte Bedeutung: Die Befähigung reichte für wesentliche Teile der Tätigkeit nicht aus.
Auffassungsgabe sehr gut. 'Sehr rasch' + 'auch komplexe Sachverhalte' + 'stets sicher' ergibt die höchste Stufe. Die Auffassungsgabe gehört konventionell zur Befähigungsbeurteilung.
Auffassungsgabe befriedigend. 'Gut' ohne Frequenzadverb und ohne Steigerung ('rasch', 'sehr') ergibt Note 3 — analog zur sonstigen Befähigungsskala.
Abwertende Formulierung zur Auffassungsgabe. Die scheinbar sachliche Erwähnung einer 'längeren Einarbeitungszeit' gilt in der Zeugnissprache als Code für eine schwache, langsame Auffassungsgabe.
Versteckte Bedeutung: Verschlüsselter Hinweis auf eine langsame Auffassungsgabe — die Person tat sich schwer, neue Sachverhalte zu erfassen.
Arbeitsweise
8 Einträge
Arbeitsweise sehr gut. Dreifache positive Steigerung.
Arbeitsweise gut.
Arbeitsweise befriedigend.
Arbeitsweise ausreichend bis mangelhaft. Relativierungen wie 'grundsätzlich', 'überwiegend', 'im Wesentlichen' sind Abwertungen — sie implizieren Ausnahmen.
Arbeitsweise mangelhaft. 'Meistens' = nicht immer → wiederkehrende Fehler impliziert.
Arbeitsweise sehr gut — Aspekt Selbstständigkeit. 'Stets' + 'äußerst selbstständig' + 'zielorientiert' ergibt die höchste Stufe. Ergänzt die Sorgfalts-/Zuverlässigkeitsskala (ZC-AW-001 ff.) um die Dimension Eigenständigkeit.
Abwertende Formulierung zur Selbstständigkeit. Das Lob ('gewissenhaft', 'zuverlässig') ist an die Einschränkung 'nach Anleitung' gebunden — ein verschlüsselter Hinweis darauf, dass eigenständiges Arbeiten nicht möglich war.
Versteckte Bedeutung: Die Betonung von 'nach Anleitung' / 'nach Anweisung' signalisiert mangelnde Selbstständigkeit — die Person konnte nicht eigenständig arbeiten.
Arbeitsweise sehr gut — Aspekt Arbeitsmenge und -tempo. 'Auch ein hohes Arbeitsvolumen' + 'stets termingerecht' beschreibt überdurchschnittliche Belastbarkeit und Geschwindigkeit (Quantitätsdimension der Leistung).
Fachwissen
5 Einträge
Fachwissen sehr gut.
Fachwissen gut.
Fachwissen befriedigend.
Fachwissen ausreichend. 'Grundkenntnisse' statt 'fundiertes' oder 'gutes' Fachwissen begrenzt das Lob auf das Nötigste — schwache Note (vgl. ZC-FW-001 bis ZC-FW-003).
Abwertende Formulierung zum Fachwissen. Vorhandenes Wissen wird bescheinigt, dessen Anwendung jedoch durch 'bei Bedarf' relativiert — ein typisches Auseinanderfallen von Wissen und tatsächlichem Einsatz (vgl. ZC-CODE-025).
Versteckte Bedeutung: Die Einschränkung 'bei Bedarf' / 'wo erforderlich' deutet an, dass das Fachwissen nur selten oder zögerlich eingesetzt wurde.
Geheimcodes
28 Einträge
"Er hat durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen"
Unzulässiger Geheimcode. Der Begriff 'Geselligkeit' wird in der Zeugnissprache als verschlüsselter Hinweis auf Alkoholkonsum gedeutet.
Versteckte Bedeutung: Alkoholproblem / Trinken während der Arbeitszeit.
"zeigte für die Belange der Belegschaft großes Einfühlungsvermögen"
Unzulässiger Geheimcode. Hinweis auf sexuelle Belästigung oder unangemessenes Verhalten am Arbeitsplatz.
Versteckte Bedeutung: Sexuelle Annäherungsversuche oder unangemessenes Verhalten gegenüber Kollegen.
Abwertende Formulierung. 'Interesse' statt 'Erfolg' oder 'Leistung' deutet darauf hin, dass die Person engagiert wirkte, aber keine messbaren Ergebnisse erzielte.
Versteckte Bedeutung: Hat Interesse gezeigt, aber keine Leistung gebracht.
"trug engagiert zur Verbesserung des Betriebsklimas bei"
Ambivalenter Code. Je nach Kontext: übermäßiges Schwatzen, Ablenkung der Kollegen, oder sogar Konfliktverursachung.
Versteckte Bedeutung: Hat viel geredet, wenig gearbeitet / war häufig in Konflikte verwickelt.
"war ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter"
'Anspruchsvoll' und 'kritisch' in Kombination sind in der Zeugnissprache meist negativ gemeint: anspruchsvoll gegenüber anderen, eigensüchtiger Nörgler.
Versteckte Bedeutung: Nörgler, schwierige Persönlichkeit, unzufrieden.
"war kontaktfreudig und allseits beliebt"
Ambiguer Code — je nach Kontext Doppeldeutung möglich in Richtung sexueller Annäherungen.
Versteckte Bedeutung: Bezug auf sexuelle Kontakte / unangemessene Beziehungen am Arbeitsplatz.
"Mit ihren Vorgesetzten ist sie immer gut ausgekommen"
Code für übertriebene Anpassung. Das 'gut Auskommen' wird als Unterwürfigkeit gedeutet, nicht als konstruktive Zusammenarbeit.
Versteckte Bedeutung: Anpassung um jeden Preis, mangelnde Eigenständigkeit.
"hat ein bescheidenes und zuvorkommendes Wesen"
'Bescheiden' in Kombination mit 'zuvorkommend' = ohne Durchsetzungskraft, ohne eigenen Willen.
Versteckte Bedeutung: Zurückhaltend, angepasst, unterwürfig, keine Initiative.
"In letzter Zeit kam es zu Konflikten mit dem Vorgesetzten"
Offen negative Formulierung (selten). Direktes Benennen von Konflikten ist stark abwertend und rechtlich grenzwertig.
Versteckte Bedeutung: Massive Probleme am Ende der Beschäftigung — oft Verdacht auf Alkoholproblem oder fristlose Kündigung.
"Für seine Mitarbeit bedanken wir uns aufs Herzlichste!"
Verdacht auf bewusste Ironie. Übertriebene Emphase in der Schlussformel kann als unzulässiger Code gewertet werden, insbesondere wenn sie nicht mit dem restlichen Zeugnisinhalt übereinstimmt.
Versteckte Bedeutung: Ironische Überziehung — das Gegenteil ist gemeint. Das Ausrufezeichen verstärkt die Ironie.
'Fleiß' ohne Erwähnung von 'Erfolg' oder 'Ergebnis' ist in der Zeugnissprache eine abwertende Formulierung — der Arbeitnehmer bemühte sich, lieferte aber nicht.
Versteckte Bedeutung: Fleißig, aber unfähig. Viel Anstrengung, wenig Ergebnis.
"war pünktlich"
Hervorhebung einer Selbstverständlichkeit als einzige positive Eigenschaft. Abwertend.
Versteckte Bedeutung: Wenn Pünktlichkeit als herausragende Eigenschaft genannt wird, bedeutet dies oft: mehr Positives gab es nicht zu sagen. Für qualifizierte Positionen ist Pünktlichkeit eine Selbstverständlichkeit.
"war stets ehrlich"
Die explizite Erwähnung der Ehrlichkeit ist nur dann natürlich, wenn sie für die Tätigkeit relevant ist. In anderen Fällen kann sie als verschlüsselter Hinweis gedeutet werden.
Versteckte Bedeutung: Wenn Ehrlichkeit explizit erwähnt wird, kann dies auf den Verdacht auf Diebstahl oder Unehrlichkeit in der Vergangenheit hinweisen — insbesondere bei Positionen mit Vertrauensverhältnis (Kassierer, Lagerarbeiter).
"trennte sich das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen"
Neutrale Standardformulierung, aber ihre Verwendung (statt 'auf eigenen Wunsch') kann auf eine arbeitgeberseitig initiierte Trennung hindeuten.
Versteckte Bedeutung: Aufhebungsvertrag, häufig nach Konflikten oder als Alternative zur Kündigung. Kann andeuten, dass der Arbeitgeber die Trennung betrieben hat.
"Das Arbeitsverhältnis endete am TT.MM.JJJJ"
Das Fehlen jeglicher qualifizierender Bemerkung (kein Dank, kein Bedauern, kein Grund) in der Schlussformel ist ein Warnsignal.
Versteckte Bedeutung: Neutrale, lapidare Formulierung ohne Bedauern, Dank oder Hinweis auf den Trennungsgrund. Kann auf fristlose Kündigung oder starken Konflikt hinweisen.
Aneinandergereihte schwache Eigenschaften ohne Erwähnung konkreter Leistungen. Signalisiert fehlendes eigenes Arbeitsergebnis.
Versteckte Bedeutung: Aufmerksam = schaute zu; interessiert = fragte, arbeitete aber nicht selbstständig.
"Er war sich der Bedeutung seiner Aufgabe stets bewusst"
Positiv klingende Formulierung, die in der Zeugnissprache 'Bewusstsein ohne Handlung' signalisiert.
Versteckte Bedeutung: Hat die Aufgabe nicht tatsächlich erfüllt — nur das Bewusstsein dafür wird bescheinigt.
Minimales Lob — Erfüllung des Durchschnitts, keine Überleistung. Ohne Steigerungen wie 'in vollem Umfang' oder 'übertroffen' = schwache Note.
Vierfache positive Steigerung — Gegenstück zu 'hat Erwartungen erfüllt'. Klare Note 1.
Minimal-Kompetenz bestätigt, nichts darüber hinaus. Schwaches Lob.
"Er zeigte für die Belange der Belegschaft stets Verständnis"
Klassischer Geheimcode. Der Bezug auf die 'Belange der Belegschaft' wird in der Zeugnissprache als verschlüsselter Hinweis auf Betriebsrats- oder Gewerkschaftstätigkeit gedeutet — und damit potenziell als Warnung an künftige Arbeitgeber.
Versteckte Bedeutung: Hinweis auf gewerkschaftliches oder betriebsrätliches Engagement — die Person war im Betriebsrat aktiv oder gewerkschaftlich organisiert.
"war ein geselliger und stets gut gelaunter Mitarbeiter"
Geheimcode. 'Geselligkeit' gilt in der Zeugnissprache als verbreiteter Code für Alkoholkonsum während der Arbeit (vgl. ZC-CODE-001). Die Betonung der guten Laune statt der Arbeitsleistung verstärkt das Signal.
Versteckte Bedeutung: Verdacht auf Alkoholkonsum am Arbeitsplatz — 'Geselligkeit' ist der klassische verschlüsselte Hinweis auf ein Alkoholproblem.
"trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei"
Klassischer Geheimcode, fast wörtlich aus der Standardliteratur (vgl. ZC-CODE-001). 'Geselligkeit' in Verbindung mit 'Betriebsklima' gilt als der bekannteste verschlüsselte Hinweis auf Alkoholkonsum.
Versteckte Bedeutung: Verdacht auf Alkoholkonsum am Arbeitsplatz — die Verbindung von 'Geselligkeit' und 'Betriebsklima' ist das Paradebeispiel des Alkohol-Codes.
Abwertende Formulierung. Theoretisches Fachwissen wird bescheinigt, die praktische Anwendung jedoch durch 'im Großen und Ganzen' relativiert — ein typisches Auseinanderfallen von Wissen und Umsetzung.
Versteckte Bedeutung: Die Relativierung 'im Großen und Ganzen' bedeutet: konnte das vorhandene Wissen nur teilweise praktisch nutzen.
"war bei Kollegen sehr beliebt"
Ambivalenter Code. Hohe kollegiale Beliebtheit ohne Erwähnung der Wertschätzung durch Vorgesetzte kann signalisieren, dass die fachliche Leistung hinter der sozialen Beliebtheit zurückblieb.
Versteckte Bedeutung: Wird die Beliebtheit bei Kollegen betont, aber die Anerkennung der Vorgesetzten nicht erwähnt, kann dies auf mangelnde fachliche Anerkennung oder ein gespanntes Verhältnis zur Führungsebene hindeuten.
Abwertende Formulierung. Die scheinbar wohlwollende Einschränkung 'im Rahmen seiner Möglichkeiten' relativiert das Lob und impliziert, dass die Leistungsfähigkeit der Person begrenzt war.
Versteckte Bedeutung: Die Einschränkung 'im Rahmen seiner Möglichkeiten' deutet an, dass diese Möglichkeiten gering waren — verschlüsselter Hinweis auf begrenzte Leistungsfähigkeit.
"wusste sich gut zu verkaufen"
Geheimcode. Wird betont, dass jemand sich 'gut zu verkaufen' oder 'zu präsentieren' wusste, ohne dass entsprechende Ergebnisse genannt werden, deutet dies in der Zeugnissprache auf einen Selbstdarsteller hin, dessen Auftreten die Substanz übertraf.
Versteckte Bedeutung: Blender / Selbstdarsteller — die Außenwirkung war besser als die tatsächliche Leistung.
"war ein verständnisvoller Vorgesetzter"
Geheimcode in der Führungsbeurteilung. Wird eine Führungskraft allein als 'verständnisvoll' beschrieben, ohne dass Führungsstärke, Durchsetzungsvermögen oder Ergebnisse genannt werden, gilt dies als verschlüsselter Hinweis auf eine zu nachgiebige, durchsetzungsschwache Führung.
Versteckte Bedeutung: Schwache Führungskraft — 'verständnisvoll' ohne Erwähnung von Durchsetzungs- oder Führungsstärke deutet auf mangelnde Autorität hin.
Auslassungsregeln
12 Einträge
"[Relativierungen: grundsätzlich / überwiegend / im Großen und Ganzen / im Wesentlichen / meistens]"
Strukturregel: Jedes Relativierungsadverb ist eine Abwertung. 'Grundsätzlich' = es gab Ausnahmen. 'Überwiegend' = es gab Gegenbeispiele. Beim Decoding: pro Relativierung eine Note abziehen.
"[Reihenfolge der Bezugsgruppen im Sozialverhalten]"
Strukturregel: Die konventionelle Reihenfolge lautet Vorgesetzte → Mitarbeiter/Kollegen → Kunden/Dritte. Abweichungen sind bedeutsam: Werden Kollegen vor Vorgesetzten genannt, deutet das auf Probleme mit Vorgesetzten hin. Wird eine Gruppe ausgelassen, ist das ein starkes Warnsignal.
"[Fehlen der Schlussformel]"
Strukturregel: Fehlt die Dankes-, Bedauerns- oder Wunschformel in einem qualifizierten Zeugnis, so gilt dies als signifikant negatives Signal — das Zeugnis wirkt 'grußlos', was auf gestörtes Verhältnis bei Austritt hindeutet.
"[Fehlen einer Personengruppe im Sozialverhalten]"
Strukturregel: Wird eine der vier üblichen Bezugsgruppen (Vorgesetzte, Mitarbeiter, Kollegen, Kunden) ausgelassen, deutet dies auf Probleme mit dieser Gruppe hin.
"[Fehlen von Verhaltensbeurteilung insgesamt]"
Strukturregel: Enthält ein qualifiziertes Arbeitszeugnis keine Verhaltensbeurteilung, ist dies ein Hinweis auf eine mangelhafte Gesamtbewertung. Laut SECO verstößt dies gegen die Vollständigkeitspflicht nach Art. 330a OR.
"[Fehlen von Kernkompetenzen zur Tätigkeit]"
Strukturregel: Werden für die Position wesentliche Kompetenzen nicht erwähnt (z.B. Planungs-/Organisationsgeschick bei einem Projektmanager, oder Ehrlichkeit bei einem Kassierer), so gilt dies als verschlüsselter negativer Hinweis ('beredtes Schweigen').
"[Passive Eingangsformel: 'wurde beschäftigt' / 'hatte zu erledigen']"
Strukturregel: Die Wahl des Verbs in der Eingangsformel ist ein Signal. 'War tätig' = aktiv, positiv. 'Wurde beschäftigt' / 'hatte zu erledigen' = passiv, tendenziell abwertend.
"[Lapidare Eingangsformel: 'Das Arbeitsverhältnis dauerte von/bis']"
Strukturregel: Betont das Zeugnis nur die rechtliche Dauer, ohne Funktion/Tätigkeit zu nennen, kann dies auf lange Fehlzeiten hindeuten — die Person war selten wirklich im Unternehmen aktiv.
"[CH-spezifisch: Zwischenzeugnis muss im Präsens formuliert sein]"
Struktur-/Formalregel: Zwischenzeugnisse sind in der Schweiz im Präsens zu formulieren ('Er zeigt gute Leistungen.'), Schlusszeugnisse im Perfekt/Präteritum. Falsche Zeitform kann als Formfehler gerügt werden.
"[CH-spezifisch: 10-jährige Verjährung des Zeugnisanspruchs]"
Rechtshinweis CH: Der Anspruch auf Ausstellung ODER Korrektur eines Arbeitszeugnisses verjährt in der Schweiz erst nach 10 Jahren (Art. 127 OR, Allgemeinfrist). Deutlich länger als in Deutschland (3 Jahre).
"[Bemerkung zu unwichtigen Eigenschaften bei Führungskräften]"
Strukturregel: Wird bei einer Führungskraft oder Fachkraft eine triviale Selbstverständlichkeit (Pünktlichkeit, Erscheinungsbild) hervorgehoben, bedeutet dies: Mehr Positives ließ sich nicht sagen.
"[Kontrast zwischen Leistungs- und Verhaltensnote]"
Strukturregel: Eine starke Diskrepanz zwischen Leistungs- und Verhaltensbeurteilung (z.B. Leistung 1, Verhalten 4) ist signifikant und deutet auf ein problematisches Sozialverhalten bei fachlich guter Leistung (oder umgekehrt).