Austrittsgrund richtig einordnen
Gegenseitiges Einvernehmen im Arbeitszeugnis
Gegenseitiges Einvernehmen beschreibt einen Austritt, der einvernehmlich geregelt wurde. Die Formulierung ist nicht automatisch negativ. Sie kann aber erklärungsbedürftig wirken, wenn sie ohne starke Schlussformel, ohne Dank oder zusammen mit schwachen Leistungsbewertungen erscheint.
Das Wichtigste in Kürze
- Gegenseitiges Einvernehmen ist kontextabhängig und nicht per se ein schlechtes Signal.
- Die Wirkung hängt stark von Leistungsformel, Dank, Bedauern und Zukunftswünschen ab.
- Eine klare Arbeitnehmerkündigung wirkt oft unauffälliger als eine mehrdeutige Austrittsformel.
Die Formulierung ist mehrdeutig
In der Praxis kann gegenseitiges Einvernehmen schlicht eine sauber geregelte Trennung bedeuten. Es kann aber auch gelesen werden als Hinweis, dass der Austritt nicht allein vom Arbeitnehmer ausging.
Deshalb zählt der restliche Schlussabschnitt besonders stark.
"Frau Muster verlässt uns in gegenseitigem Einvernehmen"
Diese Formulierung bedeutet häufig, dass es zur arbeitgeberseitigen Kündigung gekommen ist, die dann einvernehmlich umgestaltet wurde.
In der Regel Indikator für arbeitgeberseitig initiierte Kündigung / Aufhebungsvertrag.
Quellen: suedostschweizjobs.ch Südostschweiz Jobs
"trennte sich das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen"
Neutrale Standardformulierung, aber ihre Verwendung (statt 'auf eigenen Wunsch') kann auf eine arbeitgeberseitig initiierte Trennung hindeuten.
Aufhebungsvertrag, häufig nach Konflikten oder als Alternative zur Kündigung. Kann andeuten, dass der Arbeitgeber die Trennung betrieben hat.
Quellen: suedostschweizjobs.ch, ifb Betriebsrat
Dank und Bedauern können die Wirkung abfedern
Wenn der Arbeitgeber den Weggang bedauert und für gute oder sehr gute Leistungen dankt, wirkt die Austrittsformel meist weniger problematisch.
Fehlen diese Elemente, kann die Formulierung stärker ins Auge fallen.
"Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und danken ihm für stets sehr gute Leistungen"
Schlussformel, die zu einem Note-1-Zeugnis passt. Kombination aus starkem Bedauern + sehr gutem Leistungsdank.
Quellen: arbeitszeugnis.de Notenskala, ifb Betriebsrat
"Wir bedauern sein Ausscheiden und danken ihm für die guten Leistungen"
Schlussformel Note 3. Kein 'stets', kein 'sehr'.
Quellen: arbeitszeugnis.de
"Wir bedanken uns für die Mitarbeit"
Schlussformel Note 4+. Kein Bedauern über den Weggang = signifikant negatives Signal.
Quellen: arbeitszeugnis.de, Computerwoche
Alternative Formulierungen können klarer sein
Wenn tatsächlich der Arbeitnehmer gekündigt hat, kann eine klare Formulierung dazu weniger Interpretationsspielraum lassen.
Bei sensiblen Austritten sollte das Zeugnis insgesamt so formuliert sein, dass es wahr, wohlwollend und für den weiteren Berufsweg brauchbar bleibt.
Einordnung und Grenzen
Die Hinweise auf dieser Seite sind eine Orientierung zur Zeugnissprache und keine Rechtsberatung. Entscheidend bleibt immer das vollständige Zeugnis, der berufliche Kontext und die konkrete Formulierung.
Häufige Fragen
Ist gegenseitiges Einvernehmen im Arbeitszeugnis schlecht? +
Nicht automatisch. Die Formulierung ist aber mehrdeutig und sollte zusammen mit Leistungsbewertung, Dank, Bedauern und Zukunftswünschen gelesen werden.
Was ist besser: eigener Wunsch oder gegenseitiges Einvernehmen? +
Wenn der Arbeitnehmer tatsächlich selbst gekündigt hat, wirkt auf eigenen Wunsch oft klarer. Gegenseitiges Einvernehmen lässt mehr Raum für Interpretation.