Eine freundlich klingende Warnformel
Stets bemüht im Arbeitszeugnis
Stets bemüht klingt auf den ersten Blick positiv. In der klassischen Zeugnissprache ist die Wendung jedoch eines der bekanntesten Beispiele für eine schwache oder negative Leistungsbewertung. Entscheidend ist, ob nur Bemühen beschrieben wird oder ein tatsächlicher Erfolg.
Das Wichtigste in Kürze
- Bemühen allein ersetzt keine erfolgreiche Leistung.
- Varianten mit Fleiß, Interesse oder Einsatz können ebenfalls schwächer wirken, wenn ein Ergebnis fehlt.
- Die Wirkung hängt vom restlichen Zeugnis ab, sollte aber ernst genommen werden.
Warum stets bemüht kritisch ist
Die Formulierung lobt den Versuch, nicht das Ergebnis. Genau deshalb wird sie in der Zeugnispraxis häufig als deutlich schwache Leistungsbewertung verstanden.
In Bewerbungsprozessen kann sie den Eindruck erzeugen, dass Motivation vorhanden war, die erwartete Leistung aber nicht erreicht wurde.
"war stets bemüht, eine gute Arbeitsleistung zu erbringen"
CH-Kontext: 'Bemühen' ohne Ergebnisnachweis gilt als unzulässige Codierung. Beispielhaft in Swiss Mobiliar-Ratgeber als klassischer negativer Code genannt.
Negative Beurteilung — hat die Erwartungen nicht erfüllt.
Quellen: Mobiliar Ratgeber Arbeitszeugnis, BVGer A-2021/2019 18.9.2019 E.3.6 (Definition unzulässiger Codierung)
"hat sich bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben zu erledigen"
Note 6 (ungenügend). 'Bemühen' = Anstrengung ohne Erfolg. Klassischer verschlüsselter Hinweis auf mangelhafte Leistung.
Quellen: ifb Betriebsrat, Nexaria (CH) Codierungen in Arbeitszeugnissen, suedostschweizjobs.ch
Verwandte Formulierungen prüfen
Auch Formulierungen mit großem Fleiß oder Interesse können schwach wirken, wenn sie keine klare erfolgreiche Aufgabenerfüllung nennen.
Je höher die Position, desto stärker fällt eine solche Formulierung ins Gewicht.
"hat die ihm übertragenen Aufgaben mit großem Fleiß und Interesse erledigt"
'Fleiß' ohne Erwähnung von 'Erfolg' oder 'Ergebnis' ist in der Zeugnissprache eine abwertende Formulierung — der Arbeitnehmer bemühte sich, lieferte aber nicht.
Fleißig, aber unfähig. Viel Anstrengung, wenig Ergebnis.
Quellen: zeugnisfairness.de, rueden.de
"war stets mit Interesse bei der Sache"
Abwertende Formulierung. 'Interesse' statt 'Erfolg' oder 'Leistung' deutet darauf hin, dass die Person engagiert wirkte, aber keine messbaren Ergebnisse erzielte.
Hat Interesse gezeigt, aber keine Leistung gebracht.
Quellen: zeugnisfairness.de, Haufe Zeugnissprache
Was Sie tun können
Wenn Ihr Zeugnis eine Bemüht-Formulierung enthält, lesen Sie zuerst den gesamten Leistungsteil. Prüfen Sie danach Verhalten, Schlussformel und mögliche Auslassungen.
Bei wichtigen Bewerbungen kann es sinnvoll sein, um eine präzisere, leistungsbezogene Formulierung zu bitten.
Einordnung und Grenzen
Die Hinweise auf dieser Seite sind eine Orientierung zur Zeugnissprache und keine Rechtsberatung. Entscheidend bleibt immer das vollständige Zeugnis, der berufliche Kontext und die konkrete Formulierung.
Häufige Fragen
Ist stets bemüht wirklich negativ? +
In der Zeugnissprache wird die Wendung meist kritisch gelesen, weil sie Bemühen statt Erfolg beschreibt. Der genaue Effekt hängt aber vom Gesamtzeugnis ab.
Was wäre eine stärkere Formulierung? +
Stärker sind Formulierungen, die erfolgreiche Leistung klar benennen, zum Beispiel Zufriedenheitsformulierungen mit stets und sehr guten beziehungsweise vollsten Bewertungen.